Kimmtiefe

Herleitung der Formel

Die Herleitung der Formel für die Kimmtiefe ist analog der Formel für Feuer in der Kimm.

Für die Sichtweite S gilt:

    \begin{equation*} S\ =\ R\cdot \tan (\alpha ) \end{equation*}

Da der Winkel sehr klein ist, kann man hier tan(α) ≈ α setzen (gilt für Winkel im Bogenmaß)
und α ist gleich Kimmtiefe Kt

Daraus ergibt sich:

    \begin{equation*} S\ \approx \ R\cdot \mathit{Kt} \end{equation*}

Weiterhin gilt die Dreieckbeziehung:

R^2+S^2\ =\ (R+\mathit{AH})^2

bzw.

    \begin{equation*} R^2+(R\cdot \mathit{Kt})^2\ =\ (R+\mathit{AH})^2\mathit{bzw.}\ \ \ R^2(1+\mathit{Kt}^2)\ =\ (R+\mathit{AH})^2 \end{equation*}

    \begin{equation*} \mathit{Kt}^2\ =\ \frac{R^2+2\cdot R\cdot \mathit{AH}+\mathit{AH}^2}{R^2}-1\ =\ \frac{2\cdot R\cdot \mathit{AH}+\mathit{AH}^2}{R^2} \end{equation*}

Da AH² sehr klein im Verhältnis zu 2 R AH ist, wird dieser Summand vernachlässigt:

\mathit{Kt}^2\ \approx \ \frac{2\cdot R\cdot \mathit{AH}}{R^2}\ =\ \frac 2 R\cdot \mathit{AH}

bzw.

\mathit{Kt}[\mathit{rad}]\ \approx \ \sqrt{\frac 2 R\cdot \mathit{AH}}\ =\ \sqrt{\frac 2 R}\cdot \sqrt{\mathit{AH}}

Umrechnung vom Bogenmaß in Winkelminuten erfolgt über den Faktor \frac{10.800}{\pi }:

\mathit{Kt}[']\ \approx \ \frac{10.800}{\pi }\cdot \sqrt{\frac 2 R}\cdot \sqrt{\mathit{AH}}\ =\ 1,9261277\cdot \sqrt{\mathit{AH}}

(rein geometrische Lösung!)

Unter Berücksichtigung, dass man aufgrund der terrestrischen Refraktion ca. 8\% weiter sehen kann, ergibt sich anstatt 1,93′ ein Faktor von 1,78′ und somit:

    \begin{equation*} \mathit{Kt}[']\ \approx \ 1,78\cdot \sqrt{\mathit{AH}} \end{equation*}

Messung der Kimmtiefe

Die Kimmtiefe kann mit zenitnahen Gestirnen mittels eines genau gehenden Sextanten überprüft werden.

Das Gestirn wird zweimal gemessen:

  • Einmal wird der Kimmabstand KA1 in Richtung des Gestirns gemessen.
    (Spitzer Kimmabstand)
  • Bei der zweiten Messung wird in Gegenrichtung über der Zenit hinweg der Kimmabstand KA2 gemessen.
    (Stumpfer Kimmabstand)

Da ein Sextant maximal Winkel bis 120° messen kann, muss der KA1 entsprechend größer als 65° sein.

Bei der Summe dieser beiden Messungen wird die Kimmtiefe zweimal mit gemessen:

\mathit{KA}_1+\mathit{KA}_2\ =\ 180{}^{\circ}+2\cdot \mathit{Kt}

bzw.

\mathit{Kt}\ =\ \frac{\mathit{KA}_1+\mathit{KA}_2-180{}^{\circ}} 2

Wird die Sonne gemessen, so wird bei der spitzen Messung der Unterrand gemessen, bei der stumpfen der Oberrand, so dass man quasi zweimal den selben Rand misst.

\mathit{KA}_1+\mathit{KA}_2+2\cdot r_{\mathit{Sonne}}\ =\ 180{}^{\circ}+2\cdot \mathit{Kt}

bzw.

\mathit{Kt}\ =\ \frac{\mathit{KA}_1+\mathit{KA}_2+2\cdot r_{\mathit{Sonne}}-180{}^{\circ}} 2

Weiterhin müssen wir berücksichtigen, dass die Messungen mit einem bestimmten zeitlichen Versatz erfolgen werden, in dem sich die Höhe des Gestirns verändern wird:

\Delta h_Z[']\ =\ 15\cdot \Delta t\cdot \sin (\mathit{Az})\cdot \cos (\varphi )
mit

  • Δt Zeitunterschied zwischen den Messungen gemessen in Minuten,
  • Azimut Az
  • Breitengrad φ

Wenn zwischen den Messungen eine Distanz zurückgelegt wird, muss ebenso die Höhenänderung durch Versegelung berücksichtigt werden:

\Delta h_V[']\ =\ \frac 1{60}\cdot \Delta t\cdot v\cdot \cos (\mathit{Az}-\mathit{K\text{ü}G})
mit

  • Δt: Zeitunterschied zwischen den Messungen gemessen in Minuten,
  • v: Schiffsgeschwindigkeit in Knoten
  • Az: Azimut
  • KüG: Kurs über Grund

Der Kimmabstand KA1 ist zu berichtigen:

\mathit{KA}_1'\ =\ \mathit{Ka}_1+\Delta h_Z+\Delta h_V